INSTRUMENTALMUSIK in den Alpen Geschichte, Dokumentation, Praxis

Mit dem Thema „Instrumentalmusik“ widmet sich die Reihe der Innsbrucker Symposien zur Volksmusik in den Alpen diesmal einem Bereich, der für die musikalischen Kulturen des Alpenraums von zentraler Bedeutung ist, in der Forschung aber lange weniger beachtet wurde als Lied, Tanz oder Brauch. Instrumentalmusik prägt Feste, gesellige Zusammenkünfte, Prozessionen, Wirtshaussituationen, Aufführungen im öffentlichen Raum und das Selbstverständnis
regionaler Gemeinschaften. Zugleich verweist sie auf spezifische Klangvorstellungen, Spielweisen und Besetzungen, die lokal oder regional gewachsen sind und als charakteristische Ausdrucksformen kultureller Zugehörigkeit gelten.
Gerade diese gewachsenen Instrumentalpraktiken stehen heute in einem Spannungsfeld: Die zunehmende Verschulung der Volksmusik an Musikschulen und Musikuniversitäten trägt zwar wesentlich zu ihrer Weitergabe bei,
kann aber auch Vereinheitlichungen begünstigen, durch die lokale Eigenheiten, informelle Lernprozesse und ältere Spielstile in den Hintergrund geraten. Damit verbinden sich Fragen nach Instrumenten und Ensembles als Symbolen regionaler Kulturen, nach Repertoireveränderungen durch neue Besetzungen sowie nach der Definition dessen, was als „Volksmusikinstrument“ gelten kann. Zu berücksichtigen sind auch unbekannte, ungewöhnliche oder heute randständig gewordene Instrumente.
Die Vorträge des Symposiums beleuchten Geschichte, Dokumentation und Praxis instrumentaler Volksmusik in den alpinen Regionen Österreichs, der Schweiz, Italiens, Sloweniens und Deutschlands anhand ausgewählter Beispiele. Im Mittelpunkt stehen regionale und lokale Ausprägungen, historische Wandlungsprozesse und gegenwärtige Perspektiven einer musikalischen Praxis, die weit mehr ist als klingende Tradition: Sie ist ein sensibles Feld kultureller Aushandlung zwischen Überlieferung, Innovation und Identität.